Für viele Inhaber einer US LLC aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Mercury das Hauptkonto der Firma. Bisher galt dabei ein Satz, den Mercury selbst unter jede Seite schreibt: Mercury ist ein Fintech, die Konten liegen bei Partnerbanken. Genau das soll sich ändern. Am 8. September 2026 hat die FDIC, die amerikanische Einlagensicherung, der geplanten Mercury Bank, N.A. die Einlagensicherung zugesagt. Schon im April hatte die Bankenaufsicht OCC eine vorläufige Banklizenz erteilt. Mercury ist damit auf dem Weg zu einer eigenen, bundesweit lizenzierten Bank. Was genau entschieden wurde, was noch fehlt und was das für dein LLC-Konto heißt, lässt sich aus den Behördendokumenten ziemlich genau ablesen.
Was die FDIC am 8. September entschieden hat
Die Verfügung der FDIC ist kurz und nüchtern. Sie betrifft die Mercury Bank, N.A. „In-Organization", also eine Bank im Aufbau mit künftigem Sitz in Salt Lake City, Utah. Die FDIC hat die gesetzlichen Prüfpunkte abgearbeitet: Finanzlage, Kapitalausstattung, Ertragsaussichten, Eignung des Managements, Risiko für den Einlagensicherungsfonds. Ergebnis: Der Antrag auf Einlagensicherung wird genehmigt, aber unter Bedingungen.
Die wichtigsten Bedingungen:
- Die Bank muss ein Anfangskapital von mindestens 300 Millionen Dollar einbringen.
- Bis die Einlagensicherung wirksam wird, braucht jede Änderung im geplanten Management und jede Beteiligung von zehn Prozent oder mehr vorher die schriftliche Zustimmung der FDIC.
- Die Einlagensicherung wird erst wirksam, wenn die Bank alle endgültigen Genehmigungen der zuständigen Behörden hat.
- Die Zusage verfällt nach einem Jahr, wenn die Einlagensicherung bis dahin nicht wirksam geworden ist und die FDIC keiner Verlängerung zugestimmt hat.
In der Begründung beschreibt die FDIC das Geschäftsmodell: eine vollständig digitale Bank, die sich auf kleine und mittlere Unternehmen sowie Privatkunden in den USA konzentriert, mit Giro- und Sparkonten und Krediten. In den ersten drei Jahren muss die Bank eine Eigenkapitalquote (Leverage Ratio) von mindestens zehn Prozent halten.
Der Weg dorthin: Antrag im Dezember, Lizenz im April
Die FDIC-Zusage ist der zweite große Schritt. Der erste liegt ein halbes Jahr zurück.
Am 19. Dezember 2025 hat Mercury in einem eigenen Beitrag bekannt gegeben, dass das Unternehmen bei der OCC eine nationale Banklizenz und bei der FDIC die Einlagensicherung beantragt hat. Die OCC (Office of the Comptroller of the Currency) ist die Bundesbehörde, die Banken mit nationaler Lizenz zulässt und beaufsichtigt. Mercury schrieb damals ausdrücklich: „For customers, nothing changes today." Für Kunden ändere sich also vorerst nichts.
Am 24. April 2026 folgte die Entscheidung der OCC (Corporate Decision #1372). Die OCC erteilte eine vorläufige, an Bedingungen geknüpfte Genehmigung, im Original „preliminary conditional approval". Das Wort „vorläufig" ist wichtig: Die OCC schreibt selbst, dass die endgültige Genehmigung und die Erlaubnis zur Geschäftsaufnahme erst kommen, wenn alle Voraussetzungen vor der Eröffnung erfüllt sind. Bis dahin kann sie die Genehmigung ändern, aussetzen oder zurücknehmen.
Aus dem Schreiben der OCC lassen sich einige Eckdaten der künftigen Bank ablesen:
- Die Bank gehört vollständig der Mercury Technologies, Inc., der heutigen Muttergesellschaft.
- Hauptsitz ist Salt Lake City. Filialen soll es keine geben; die OCC beschreibt eine vollständig online arbeitende Bank für nationale und globale Kunden.
- Die Bank will Kunden von den bisherigen Partnerbanken zu sich überführen.
- Das eingezahlte Kapital muss innerhalb von zwölf Monaten aufgebracht sein, und die Bank muss innerhalb von 18 Monaten nach der Genehmigung eröffnen. Sonst erlischt die Genehmigung.
- Die OCC hat die Wohnsitzvorgaben für das gesamte Board aufgehoben (Residency Waiver). Das betrifft die Direktoren der Bank, nicht die Kunden.
Rechnet man die Fristen aus, muss das Kapital bis zum 24. April 2027 stehen, und die Bank muss bis zum 24. Oktober 2027 eröffnet haben, wenn die OCC keine Verlängerung gewährt. Die OCC schreibt dazu, dass sie Verlängerungen grundsätzlich ablehnt, außer in besonders gelagerten Fällen.
Was noch fehlt, bevor die Bank öffnet
Mercury selbst hat im Mai 2026 in der Ankündigung seiner Finanzierungsrunde aufgezählt, was nach der OCC-Entscheidung noch aussteht: weitere Genehmigungen von FDIC und Federal Reserve sowie die endgültige Genehmigung der OCC. Die FDIC-Zusage ist seit September da. Offen sind damit noch zwei Dinge.
Erstens die Federal Reserve. Laut der Begründung der FDIC wird Mercury Technologies, Inc. nach der Lizenz und der Einlagensicherung die Registrierung als Bankholding bei der Federal Reserve beantragen. Ohne diese Registrierung darf die Muttergesellschaft keine Bank besitzen. Zweitens die endgültige Genehmigung der OCC, die erst nach einer Prüfung vor der Eröffnung erteilt wird.
Der Stand am 27. Oktober 2026 im Überblick:
| Schritt | Behörde | Datum | Stand |
|---|---|---|---|
| Antrag auf Banklizenz und Einlagensicherung | OCC, FDIC | 19.12.2025 | eingereicht |
| Vorläufige Banklizenz | OCC | 24.4.2026 | erteilt, unter Bedingungen |
| Einlagensicherung | FDIC | 8.9.2026 | zugesagt, wirksam erst nach allen Genehmigungen |
| Registrierung als Bankholding | Federal Reserve | offen | noch nicht entschieden |
| Endgültige Lizenz und Eröffnung | OCC | spätestens bis 24.10.2027 | offen |
Ein Eröffnungsdatum hat bisher weder Mercury noch eine der Behörden genannt.
Wie dein Mercury-Konto heute aufgestellt ist
Solange die Bank nicht eröffnet hat, bleibt alles beim Bisherigen. Auf der Preisseite und unter jedem Beitrag schreibt Mercury: Mercury ist ein Fintech und keine FDIC-versicherte Bank, die Bankdienstleistungen erbringen Choice Financial Group und Column N.A., beide Mitglied der FDIC.
Wie das zusammenspielt, hat Mercury-Gründer Immad Akhund im März 2025 in einem Beitrag über die Partnerbanken erklärt. Das Geld auf Giro- und Sparkonten liegt bei den Partnerbanken und bei den Banken ihrer Sweep-Netzwerke. Jeder Kunde hat über die Bedingungen, die er bei der Kontoeröffnung akzeptiert, einen direkten Vertrag mit der Partnerbank. Im selben Beitrag kündigte Mercury an, sich von der früheren Partnerbank Evolve Bank & Trust zu trennen und Kunden auf andere Partner umzuziehen. Auf der Preisseite nennt Mercury heute Choice und Column als die Banken, über die die Bankdienstleistungen laufen; der Beitrag über die Partnerbanken führt daneben Patriot Bank, N.A. als Partner auf.
Zur Einlagensicherung gilt die Grundregel der FDIC: 250.000 Dollar pro Einleger, pro versicherter Bank und pro Eigentumskategorie, so steht es auf der Informationsseite der FDIC. Die FDIC schreibt dort auch, dass ihre Versicherung nur Einlagen abdeckt, und nur bei einer versicherten Bank. Mercury selbst formuliert es in seinen Hinweisen so: Die Einlagensicherung deckt den Ausfall einer versicherten Bank ab. Mercury wirbt zusätzlich mit bis zu 5 Millionen Dollar Einlagensicherung, die über die Sweep-Netzwerke der Partnerbanken entsteht: Das Guthaben wird auf mehrere versicherte Banken verteilt, damit an jeder einzelnen die Grenze greift.
Für eine typische LLC von Unternehmern aus Europa heißt das: Die Einlagen sind schon heute im Rahmen dieser Grenzen über versicherte Banken geschützt. Mit einer eigenen Bank verschiebt sich vor allem, wer dein Vertragspartner ist und welche Behörde die kontoführende Bank direkt beaufsichtigt.
Was sich für LLC-Inhaber ändern kann
Die Behördendokumente geben drei Hinweise darauf, was nach der Eröffnung anders wird.
Ein Vertragspartner statt mehrerer Schichten
Heute steht zwischen dir und der kontoführenden Bank ein Fintech. Mit der Mercury Bank, N.A. wären Software und Bank in einer Unternehmensgruppe, und die Bank stünde direkt unter der Aufsicht der OCC. Die OCC knüpft ihre Genehmigung unter anderem daran, dass die Bank vor der Eröffnung eigene Richtlinien zum Bank Secrecy Act und zu den Sanktionsvorgaben des Office of Foreign Assets Control (OFAC) beschließt. Die Geldwäscheprüfung, die heute im Zusammenspiel mit den Partnerbanken läuft, läge dann bei der eigenen Bank.
Die Überführung der Konten
Die OCC hält fest, dass die Bank damit rechnet, Kunden von den Partnerbanken zu sich zu überführen. Wann das passiert, in welcher Reihenfolge und zu welchen Bedingungen, steht in keinem der Dokumente. Wer ein Konto bei Mercury hat, muss also damit rechnen, irgendwann neue Kontobedingungen zu bekommen, diesmal von einer Bank statt von einer Partnerbank im Hintergrund.
Wer im Fokus steht
Die OCC nennt zwei Zielgruppen: kleine und mittlere Unternehmen mit Sitz in den USA sowie Privatkunden. Gleichzeitig beschreibt sie die Bank als Online-Bank für „national and global customers". Die FDIC formuliert in ihrer Begründung, die Bank konzentriere sich auf kleine und mittlere Unternehmen und Privatkunden in den USA. Eine LLC aus Wyoming oder Delaware ist rechtlich ein US-Unternehmen, auch wenn ihr Inhaber in Lissabon, Dubai oder Asunción lebt. Ob und wie die künftige Bank Konten von LLCs mit Inhabern im Ausland führt, sagen die Dokumente nicht. Eine Aussage, dass sich für diese Kunden etwas ändert, gibt es weder von Mercury noch von einer Behörde. Wer heute etwas anderes liest, liest eine Vermutung.
Mercury selbst nennt als Vorteile einer eigenen Bank vor allem neue Produkte: Zelle, mehr Kreditangebote und eigene Zahlungsinfrastruktur. So steht es in der Ankündigung vom Mai.
Die Prüfung beim Konto bleibt dieselbe
Für die Kontoeröffnung und die laufende Prüfung gelten heute die Regeln, die Mercury auf seiner Seite für LLCs nennt. Dort beantwortet Mercury die Frage, ob auch Unternehmen von Gründern außerhalb der USA ein Konto bekommen, mit Ja, unter drei Voraussetzungen: Die Firma ist in den USA oder einem US-Territorium gegründet und registriert, sie hat bestehende oder geplante Geschäftstätigkeit in den USA, und sie hat eine US- oder internationale Adresse als Hauptgeschäftssitz. Diese Adresse darf eine Wohnadresse sein, aber keine Adresse eines Registered Agent, kein Postfach und keine UPS-Box. Gründer oder Finanzverantwortliche aus bestimmten Ländern, die Mercury auf einer eigenen Liste führt, kann Mercury nicht bedienen.
Für LLC-Inhaber aus Europa ist die Anforderung der US-Geschäftstätigkeit die heikelste der drei. Wie du sie nachweist, ohne steuerlich eine Betriebsstätte in den USA zu begründen, steht im Beitrag Mercury verlangt US-Operations. Und wenn ein Antrag scheitert, liegen die Gründe meistens an denselben Stellen; die häufigsten sind im Überblick LLC-Konto abgelehnt gesammelt.
Eine eigene Bank ändert an dieser Logik nichts Grundsätzliches. Banken in den USA müssen ihre Kunden kennen, und die OCC verlangt von der Mercury Bank ausdrücklich ein eigenes Programm für Geldwäscheprüfung und Sanktionslisten, bevor sie öffnen darf. Wer seine Unterlagen in Ordnung hat, ist für jede dieser Prüfungen gerüstet.
Was du jetzt tun kannst
Eine Handlungspflicht entsteht durch die FDIC-Zusage nicht. Dein Konto läuft weiter wie bisher, und kein Dokument verlangt von Kunden heute eine Reaktion. Sinnvoll sind trotzdem ein paar Handgriffe, die auch ohne Bankgründung zu einem sauberen Setup gehören:
- Prüfe, bei welcher Partnerbank dein Konto liegt. Die Kontobedingungen, die du bei der Eröffnung akzeptiert hast, sind dein Vertrag mit dieser Partnerbank. Mercury stellt laut eigener Darstellung zusätzlich Sweep-Auszüge bereit, die zeigen, wie sich dein Guthaben auf die Banken verteilt.
- Halte die Unterlagen aktuell, die Mercury ohnehin prüft: Articles of Organization, EIN-Bestätigung der IRS, Ausweis, Geschäftsadresse und den Nachweis deiner US-Geschäftstätigkeit. Bei einer Überführung zu einer neuen Bank ist ein vollständiger Datensatz der beste Schutz vor Rückfragen.
- Lies E-Mails von Mercury zu neuen Bedingungen genau. Wenn die Überführung kommt, kommt sie mit neuen Vertragsunterlagen. Neue Bedingungen zu akzeptieren ist dann keine Formalie, sondern der Wechsel des Vertragspartners.
- Halte ein Zweitkonto bereit. Ein Konto bei einem zweiten Anbieter sichert den Zahlungsverkehr, falls eine Prüfung länger dauert. Ein Wise-Geschäftskonto ist dafür der übliche Weg; beachte, dass Wise ein E-Geld-Institut ist und kein FDIC-versichertes Bankkonto.
- Schließe nichts vorschnell. Ein Wechsel aus Sorge vor der Bankgründung kostet Zeit und eine neue Prüfung bei einem anderen Anbieter, ohne dass sich an deinem Schutz heute etwas verbessert.
Welche Konten für eine LLC mit Inhaber im Ausland heute funktionieren und wie die Eröffnung Schritt für Schritt läuft, zeigt die Übersicht US-Konto für deine LLC. Die ältere Anleitung zur Kontoeröffnung bei Mercury beschreibt den Antrag selbst; für die aktuellen Anforderungen gilt die Banking-Übersicht.
Wie es weitergeht
Die nächsten Termine sind öffentlich: Das Kapital muss bis zum 24. April 2027 stehen, die FDIC-Zusage läuft am 8. September 2027 aus, wenn die Einlagensicherung bis dahin nicht wirksam ist, und die OCC-Genehmigung erlischt, wenn die Bank bis zum 24. Oktober 2027 nicht eröffnet hat. Dazwischen liegt die Entscheidung der Federal Reserve über die Muttergesellschaft. Jede dieser Stationen lässt sich bei der jeweiligen Behörde nachlesen, und spätestens mit der endgültigen Genehmigung der OCC wird Mercury sagen müssen, wie und wann die Konten wandern.
Für dich als Inhaber einer US LLC heißt das: Das Konto, das viele europäische Gründer als erstes eröffnen, liegt künftig bei einer Bank unter direkter Bundesaufsicht, mit einem Kapitalpolster, das die Aufsicht selbst festgelegt hat. Die Spielregeln für die Kontoführung, also echte Unterlagen, ein nachvollziehbares Geschäft und eine US-Geschäftstätigkeit, bleiben dieselben. Wenn du unsicher bist, ob dein Setup diese Prüfung trägt, oder wenn die Unterlagen zur Überführung kommen und du sie vor dem Akzeptieren einordnen willst, kannst du ein Beratungsgespräch buchen.

