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Mercury verlangt plötzlich US-Operations: So rettest du dein LLC-Konto

Mercury droht mit Kontoschließung ohne US-Operations? So lieferst du den Nachweis, ohne deine Steuerfreiheit zu riskieren. Mit erprobter Upwork-Methode.

Veröffentlicht: 22. Juli 2026

Seit einigen Monaten bekommen Inhaber von US LLCs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Post von Mercury, die es in sich hat: Die Bank verlangt einen Nachweis über "US operations". Wer keinen liefern kann, dessen Konto wird eingeschränkt und nach 60 Tagen endgültig geschlossen.

In unseren Kanälen häufen sich die Nachrichten dazu. Manche haben ihr Konto bereits verloren. Andere haben in Panik die LLC gleich mit aufgelöst und gründen jetzt neu, in der Hoffnung, dass es mit einem anderen Bundesstaat besser läuft. Beides ist unnötig. In diesem Artikel zeigen wir dir, was Mercury wirklich will, warum das Ganze steuerlich harmloser ist als es klingt, und wie du den Nachweis in wenigen Tagen sauber erbringst. Inklusive einer Methode, die wir selbst getestet haben.

Was ist passiert?

Mercury war jahrelang die erste Adresse für ausländisch gehaltene US LLCs: Kontoeröffnung komplett online, kein US-Besuch nötig, moderne Oberfläche. Genau deshalb ist nach dem Ende der Silicon Valley Bank praktisch der gesamte Markt der Non-Resident-Gründer bei Mercury gelandet. Und mit ihm eine Flut von Briefkastenfirmen ohne jede echte Aktivität.

Mercury hat darauf reagiert und die Regeln verschärft:

Wichtig zum Verständnis: Mercury ist keine Bank, sondern ein Fintech, dessen Partnerbanken die Einlagen halten. Die Verschärfung ist der Versuch, diese Partnerbanken vor dem Vorwurf zu schützen, tausende substanzlose Offshore-Vehikel zu bedienen. Das ist keine Schikane gegen dich persönlich. Es ist ein Filter. Und Filter kann man passieren.

Was Mercury konkret sehen will

Mercury nennt drei Kategorien von Nachweisen. Eine davon reicht:

Mitarbeiter in den USA: Arbeitsverträge mit US-Angestellten inklusive vollständigem Namen und Adresse, oder Lohnabrechnungen.

Büro oder Standort in den USA: Mietvertrag, Nachweis über einen Coworking-Platz oder eine aktuelle Nebenkostenrechnung.

Kunden, Partner oder Lieferanten in den USA: Rechnungen oder Verträge, die Geschäftsbeziehungen mit US-Unternehmen belegen. Verkäufe an US-Kunden dürfen sogar als Screenshot eingereicht werden.

Dazu kommt eine Bedingung, die viele übersehen: Die Dokumente sollten sich in den Kontobewegungen wiederfinden. Eine Rechnung eines US-Lieferanten überzeugt dann, wenn die Zahlung dazu auch über dein Mercury-Konto gelaufen ist. Papier allein reicht nicht, die Geschichte muss stimmen.

Entwarnung: US-Kunden machen dich nicht steuerpflichtig

Die häufigste Sorge in den Diskussionen lautet sinngemäß: "Ich habe die LLC gegründet, um steuerfrei zu sein. Wenn ich jetzt US-Kunden nachweisen muss, zahle ich doch US-Steuern und das ganze Modell bricht zusammen."

Das ist ein Missverständnis, und zwar ein fundamentales.

Die Steuerfreiheit deiner LLC hängt nicht davon ab, wo deine Kunden sitzen. Sie hängt davon ab, ob du ein "US trade or business" betreibst, also mit eigenen Leuten, eigenen Räumen oder abhängigen Vertretern in den USA tätig bist. Erbringst du deine Leistungen von deinem Wohnsitz außerhalb der USA aus, bleibt das Einkommen ausländisches Einkommen, selbst wenn hundert Prozent deiner Kunden in New York sitzen. Ein Texaner, der deine Software abonniert oder dein Coaching bucht, macht dich nicht steuerpflichtig, solange du die Arbeit von außerhalb der USA erledigst. Die Details dazu findest du in unserem Grundlagenartikel zur steuerlichen Behandlung der Exempt LLC.

Es gibt eine relevante Ausnahme: Wer physische Ware aus US-Lagern verkauft, etwa über Amazon FBA mit Inventar in den USA, spielt in einer anderen Liga und braucht individuelle Beratung. Für die typische Dienstleistungs-, Beratungs-, Agentur- oder Software-LLC gilt: US-Kunden sind steuerlich kein Problem. Du kannst Mercury also guten Gewissens US-Geschäftsbeziehungen zeigen, ohne dein Modell zu gefährden.

Und genauso klar: Die LLC in Panik zu schließen und mit neuem Bundesstaat neu zu gründen löst gar nichts. Dazu gleich mehr.

Der einfachste Nachweis: US-Lieferanten

Hier kommt die gute Nachricht. Die dritte Kategorie spricht nicht nur von Kunden, sondern ausdrücklich auch von Partnern und Lieferanten. Und US-Lieferanten hat fast jede LLC längst, oft ohne darüber nachzudenken:

Entscheidend ist die Form: Die Rechnung muss auf den Namen deiner LLC lauten, und die Zahlung sollte über dein Mercury-Konto laufen. Wenn du deine US-Software bisher über die private Kreditkarte zahlst, stell das jetzt um. Sammle drei bis fünf solcher Rechnungen aus den letzten Monaten, ergänze die passenden Kontoauszüge, fertig ist ein Nachweispaket, das exakt in Mercurys Raster passt.

Der Praxis-Tipp: US-Freelancer über Upwork

Wenn du bisher keinerlei US-Berührungspunkte hast, gibt es einen Weg, der echte US-Geschäftsbeziehungen schafft, wenig kostet und den wir selbst erfolgreich getestet haben: Beauftrage einen Freelancer in den USA über Upwork.

Das funktioniert so:

  1. Du suchst auf Upwork gezielt nach Freelancern mit Standort USA. Der Filter dafür ist eingebaut.
  2. Du vergibst einen echten, kleinen Auftrag. Ein Logo-Refresh, ein Textlektorat für deine englische Website, Recherche, Datenpflege. Schon Aufträge im Bereich von 100 bis 300 Dollar erzeugen Vertrag und Rechnung.
  3. Upwork erstellt automatisch Verträge und Rechnungen, aus denen der US-Standort des Freelancers hervorgeht.
  4. Du zahlst über dein Mercury-Konto.

Damit hast du alles auf einmal: einen Vertrag mit einem US-Vertragspartner, Rechnungen, und die passende Transaktion im Konto. Genau die Kombination, die Mercury sehen will.

Zwei Hinweise dazu. Erstens: Der Auftrag muss echt sein. Du bezahlst für eine echte Leistung, die du auch nutzt, das Ganze ist kein Papiertheater. Zweitens, steuerlich: Ein selbstständiger Freelancer, der auf eigene Rechnung für viele Kunden arbeitet, ist ein unabhängiger Auftragnehmer und begründet für dich kein US trade or business. Er ist dein Lieferant, nicht dein Mitarbeiter. Anders sähe es aus, wenn du jemanden fest anstellst, der dauerhaft und weisungsgebunden nur für dich in den USA arbeitet. Genau deshalb ist die Freelancer-Route der Mitarbeiter-Route klar vorzuziehen.

Der Bundesstaaten-Mythos: Wyoming raus, Florida rein?

In den Diskussionen taucht regelmäßig die Theorie auf, das Problem liege am Bundesstaat: Wyoming sei wegen der Anonymität bei Banken verbrannt, mit einer Florida LLC laufe es besser. Manche haben ihre Wyoming LLC deshalb geschlossen und in Florida neu gegründet.

Das kannst du dir sparen. Die Theorie verwechselt zwei völlig verschiedene Ebenen.

Die Anonymität von Wyoming (und zehn weiteren Bundesstaaten) bezieht sich auf das öffentliche Handelsregister: Dein Name taucht dort nicht auf. Gegenüber der Bank warst du dagegen nie anonym und wirst es nie sein. Mercury erhebt bei jeder Kontoeröffnung die wirtschaftlich Berechtigten ab 25 Prozent, mit Pass und Adresse, völlig unabhängig vom Bundesstaat. Die Bank weiß bei einer Wyoming LLC exakt so viel über dich wie bei einer Florida LLC.

Mercurys Anforderung heißt US operations, nicht US-Bundesstaat. Wer mit einer Florida LLC ohne jeden US-Bezug ankommt, bekommt dieselbe 60-Tage-Frist wie vorher mit Wyoming. Eine Neugründung kostet dich Geld, Zeit, eine neue EIN und eine neue Kontoeröffnung mit strengerer Prüfung als je zuvor, und löst das eigentliche Thema um keinen Millimeter.

Deine Website als Beweisstück

Ein Punkt, der in keiner Mercury-Liste steht, aber in der Praxis den Unterschied macht: deine Website.

Bei der Prüfung schaut sich das Compliance-Team an, ob dein Unternehmen nach außen wie ein Geschäft mit US-Bezug aussieht. Eine LLC ohne jede Webpräsenz, oder mit einer rein deutschsprachigen Seite, die sich erkennbar nur an Kunden in Europa richtet, erzählt die falsche Geschichte.

Es braucht keinen großen Auftritt. Ein englischsprachiger Onepager reicht, wenn er drei Dinge leistet:

Diese Seite ist an einem Nachmittag gebaut. Und der Lektor, der dein Englisch glattzieht, kann übrigens gleich dein Upwork-Freelancer aus den USA sein. So greifen die Bausteine ineinander.

Was sonst noch hilft

Konto aktiv nutzen. Ein Konto, auf dem monatelang nichts passiert, ist für jede Compliance-Abteilung ein rotes Tuch. Lass laufende Einnahmen und Ausgaben deiner LLC über Mercury laufen, gerade die US-Zahlungen.

Die richtige Adresse. Als Geschäftsadresse akzeptiert Mercury ausdrücklich auch deine private Wohnadresse im Ausland. Nutze sie. Was nicht mehr geht, sind Registered-Agent-Adressen und Postfächer. Wenn deine Mercury-Akte noch eine solche Adresse führt, korrigiere das, bevor es jemand moniert.

Ehrlich mit "geplant" umgehen. Mercury akzeptiert auch geplante US-Aktivitäten. Wenn du gerade erst startest, beschreib konkret, was du vorhast: erste US-Kunden über deine englische Website, US-Freelancer für Design und Content, US-Software-Stack. Ein glaubwürdiger Plan plus erste Belege ist stärker als eine leere Behauptung.

Nie nur ein Konto. Unabhängig vom Ausgang: Eine LLC mit einem einzigen Konto ist ein Klumpenrisiko. Eröffne ein Zweitkonto bei einem Anbieter, der US LLCs auch ohne US-Fokus akzeptiert, etwa Wise Business oder Airwallex. Welche Anbieter aktuell zuverlässig funktionieren, halten wir in unserem Überblick zur LLC-Kontoeröffnung aktuell.

Was du auf keinen Fall tun solltest

Keine gefälschten oder geschönten Unterlagen. Erfundene Mietverträge, gefällige Rechnungen ohne echte Leistung, fingierte Kundenbeziehungen: Das ist keine Grauzone, das sind Falschangaben gegenüber einem US-Finanzinstitut. Das Risiko steht in keinem Verhältnis zu einem Bankkonto, das sich auf legalem Weg mit ein paar Software-Rechnungen retten lässt.

Keine Büro-Fassade. Es kursieren Angebote, für kleines Geld eine US-Büroadresse oder einen Pro-forma-Coworking-Vertrag zu buchen, den nie jemand betritt. Davon raten wir aus zwei Gründen ab. Erstens erkennt Mercury Sammeladressen, an denen dutzende LLCs "residieren", genauso zuverlässig wie Registered-Agent-Adressen. Zweitens, und das ist der wichtigere Punkt: Ein dokumentiertes US-Büro ist von allen drei Nachweiskategorien die einzige, die deiner Steuerfreiheit tatsächlich gefährlich werden kann. Eine feste Geschäftseinrichtung in den USA ist genau das Indiz für ein US trade or business, das du als steuerfreier Non-Resident nicht schaffen willst, und ein gefundenes Fressen für jedes Finanzamt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, das deine Struktur prüft. US-Lieferanten und US-Kunden stärken dein Konto und lassen deine Steuerposition unberührt. Ein US-Büro auf dem Papier macht das Gegenteil.

Keine Panik-Schließung. Die LLC aufzulösen und woanders neu zu gründen kostet Substanz, Historie und Geld und führt dich bei der nächsten Bank vor dieselbe Frage.

Dein 7-Tage-Plan

Wenn die 60-Tage-Mail schon in deinem Postfach liegt, arbeite diese Liste ab:

  1. Tag 1: Bestandsaufnahme. Welche US-Anbieter bezahlst du heute schon? Rechnungen der letzten drei bis sechs Monate herunterladen, auf LLC-Namen prüfen.
  2. Tag 1 bis 2: Zahlungswege umstellen. Alle US-Abos ab sofort über das Mercury-Konto zahlen, private Karten raus.
  3. Tag 2 bis 5: Upwork-Auftrag an einen US-Freelancer vergeben, zum Beispiel für die englische Version deiner Website. Vertrag und Rechnung sichern, über Mercury bezahlen.
  4. Tag 3 bis 6: Englischen Onepager mit klarer US-Markt-Ansprache live stellen, konsistent mit deiner Geschäftsbeschreibung bei Mercury.
  5. Tag 6: Falls vorhanden: Verkäufe an US-Kunden als Screenshots exportieren.
  6. Tag 7: Nachweispaket schnüren und einreichen: Lieferantenrechnungen, Upwork-Vertrag und -Rechnung, Kontoauszüge mit den passenden Transaktionen, Link zur Website, kurzes Anschreiben. Parallel Zweitkonto beantragen.

Damit lieferst du nicht ein einzelnes Dokument, sondern eine stimmige Geschichte: Deine LLC kauft in den USA ein, arbeitet mit US-Freelancern und spricht den US-Markt an. Genau das versteht Mercury unter US operations.

Wenn du Unterstützung willst

Unsere Kanzlei in Austin begleitet seit Jahren Mandanten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Gründung, Konto und laufender Betreuung ihrer US LLC, mit Schriftverkehr durchgängig auf Deutsch. Wenn Mercury dir die 60-Tage-Frist gesetzt hat, dein Fall Besonderheiten hat (etwa FBA-Inventar in den USA) oder du deine Kontenstruktur grundsätzlich robuster aufstellen willst, sprich mit uns.

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