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US LLC oder Dubai Freezone: der ehrliche Vergleich

US LLC oder Dubai Freezone? Was vom 0-Prozent-Versprechen der Emirate 2026 übrig ist, was beide Setups wirklich kosten und wann Dubai trotzdem gewinnt.

Veröffentlicht: 28. Juli 2026

Zwei Setups, ein Versprechen: null Prozent. Die einen gründen eine US LLC und leben als Nomaden oder Ausgewanderte irgendwo, wo der Gewinn nicht besteuert wird. Die anderen ziehen nach Dubai, gründen eine Freezone-Firma und erzählen auf Instagram, die Emirate seien steuerfrei. Beide Erzählungen sind seit Juni 2023 unvollständig, eine davon ist inzwischen richtig teuer geworden. Hier ist der Systemvergleich, den die Verkäufer beider Seiten nicht schreiben: mit den Zahlen von 2026, den Bedingungen im Kleingedruckten und einer ehrlichen Antwort auf die Frage, wann Dubai trotzdem gewinnt.

Die beiden Modelle in je einem Absatz

Die US LLC ist als Single-Member-Gesellschaft eine Disregarded Entity: Die USA behandeln sie steuerlich als Nichts, der Gewinn gilt direkt als dein Einkommen. Lebst du außerhalb der USA und hat die LLC kein Effectively Connected Income, also kein echtes US-Inlandsgeschäft mit eigener Präsenz, zahlt in den USA niemand Steuern auf den Gewinn. Versteuert wird dort, wo du ansässig bist, und wenn dein Wohnsitzland Auslandseinkünfte nicht besteuert oder du als Perpetual Traveler nirgendwo hängen bleibst, steht am Ende eine echte Null. Die Pflichten sind überschaubar, aber unerbittlich: einmal jährlich Form 5472 mit Pro-forma-1120, dazu Registered Agent und Annual Report im Bundesstaat. Die Strafe für das vergessene Formular liegt laut IRS-Instructions bei 25.000 Dollar, das ist der eine Punkt, an dem diese Struktur keinen Humor hat.

Die Dubai-Freezone-Firma ist das Gegenmodell: eine echte Kapitalgesellschaft in einer der über vierzig Sonderwirtschaftszonen der Emirate, mit Handelslizenz, Flexdesk und dem eigentlichen Kronjuwel, das keine LLC der Welt bietet: einem Aufenthaltstitel. Die Firma sponsert dein Residence Visa, daran hängen Emirates ID, Bankkonto, Wohnung, Alltag. Dafür ist sie ein vollwertiges Steuersubjekt in einem Land, das seit dem 1. Juni 2023 eine Körperschaftsteuer erhebt. Wer dir 2026 noch "Dubai ist steuerfrei" verkauft, hat die letzten drei Jahre Gesetzgebung verpasst.

Dubai, Stand 2026: was von der Null übrig ist

Die Grundmechanik: 9 Prozent Körperschaftsteuer auf Gewinne, die ersten 375.000 AED (rund 93.000 Euro) bleiben bei 0 Prozent. Dazu kommen zwei Wege zurück zur Null, beide mit Bedingungen, die man kennen muss.

Weg eins: Small Business Relief. Bleibt der Umsatz (nicht der Gewinn) unter 3 Millionen AED, kann die Firma per Wahlrecht so behandelt werden, als hätte sie kein steuerpflichtiges Einkommen. Frisch verifiziert: Das Finanzministerium hat diese Regelung Ende Juli 2026 per Ministerial Decision No. 131 bis Ende 2029 verlängert, ursprünglich wäre sie Ende 2026 ausgelaufen. Der Haken: Die Schwelle gilt kumulativ. Überschreitest du die 3 Millionen AED einmal, in irgendeiner Periode seit Einführung der Steuer, ist das Wahlrecht dauerhaft weg. Und wer den Relief wählt, muss trotzdem registriert sein und Erklärungen abgeben.

Weg zwei: der Status als Qualifying Free Zone Person, das vielzitierte 0-Prozent-Regime der Freezones. Es existiert, aber es ist ein Bedingungspaket, kein Automatismus. Die Firma braucht angemessene Substanz in der Freezone (echte Tätigkeit, angemessenes Personal und Ausgaben dort), sie muss ihr Einkommen aus Qualifying Activities beziehen, und zwar nach der Liste des PwC-Überblicks zu den Freezone-Regeln vor allem aus Geschäften mit anderen Freezone-Firmen und dem Ausland, sie darf die De-minimis-Grenze für nicht qualifizierendes Einkommen nicht reißen (der niedrigere Wert aus 5 Prozent des Umsatzes oder 5 Millionen AED), sie muss Verrechnungspreisregeln einhalten und geprüfte Jahresabschlüsse vorlegen, Wirtschaftsprüfer inklusive. Fällt eine Bedingung, fällt der Status, und zwar für die laufende plus die vier folgenden Perioden: fünf Jahre lang 9 Prozent auf alles. Der typische Solo-Dienstleister mit Kunden in Europa erfüllt die Qualifying-Kriterien übrigens oft gar nicht, sein Einkommen ist dann schlicht reguläres, über 375.000 AED steuerpflichtiges Einkommen.

Zwei Aufräumarbeiten am Rand: Die alten Economic Substance Regulations mit ihren Notifications und Reports sind seit der Cabinet Decision No. 98 of 2024 für Wirtschaftsjahre nach 2022 abgeschafft, die Substanzanforderung lebt aber im Körperschaftsteuerrecht für Qualifying Free Zone Persons weiter. Und es gilt eine allgemeine Registrierungspflicht zur Corporate Tax: jede Firma mit Lizenz, auch die Freezone-Firma mit Nullgewinn, auch natürliche Personen ab 1 Million AED Geschäftsumsatz, so die Federal Tax Authority. Verspätete Registrierung kostet 10.000 AED Strafe; die Amnestie-Fenster dafür sind inzwischen weitgehend geschlossen. Dubai ist damit nicht mehr das Land ohne Steuerverwaltung, es ist ein Land mit junger, digitaler und zunehmend gründlicher Steuerverwaltung.

Der 90-Tage-Mythos

Kein Dubai-Thema produziert mehr Halbwissen als die Ansässigkeit. Die Rechtslage seit März 2023: Die Emirate stellen ein Tax Residency Certificate nach drei alternativen Tests aus. 183 Tage physische Anwesenheit in zwölf Monaten, oder 90 Tage plus Residence Visa plus ständige Wohnstätte oder Job beziehungsweise Geschäft in den Emiraten, oder der Hauptwohnsitz mit dem Zentrum der finanziellen und persönlichen Interessen liegt dort.

Der Mythos macht daraus: "90 Tage Dubai im Jahr, und du bist steuerfrei." Das verwechselt zwei Fragen. Die 90-Tage-Regel beantwortet nur, wann die Emirate dich als ansässig zertifizieren. Sie beantwortet nicht, ob dein bisheriges oder ein anderes Land dich loslässt: Wer den Rest des Jahres mit Wohnung, Familie oder Lebensmittelpunkt woanders verbringt, ist nach dessen Recht meist weiter dort steuerpflichtig, und im Konfliktfall entscheiden Ansässigkeitsregeln, gegen die ein Zertifikat aus Dubai kein Trumpf ist. Die Steuerfreiheit der Emirate bekommt, wer wirklich dort lebt, nicht, wer dort dreimal im Jahr überwintert. Dieselbe Logik, die wir im 183-Tage-Artikel auseinandergenommen haben, nur mit Sand.

Die Kostenrealität: eine Größenordnung dazwischen

Jetzt das Kapitel, das in Dubai-Verkaufsgesprächen gern hinter Renderings von Rooftop-Pools verschwindet.

Dubai, ehrlich gerechnet: Eine günstige Freezone-Lizenz (IFZA, RAKEZ, Sharjah und Co.) beginnt 2026 bei rund 12.900 AED, aber das ist der Ohne-alles-Preis. Wer das Setup nutzt, wofür es da ist, nämlich zum Leben, braucht Establishment Card (rund 2.000 bis 3.000 AED), Visa-Prozess mit Medical Check und Emirates ID (3.000 bis 5.000 AED pro Person), Pflicht-Krankenversicherung und den Flexdesk, der in vielen Zonen Teil des Pakets ist. Realistisch landet ein Solo-Gründer mit einem Visum im ersten Jahr bei 25.000 bis 30.000 AED, also rund 6.500 bis 7.500 Euro, plus Agentur-Aufschlag, wenn er es nicht selbst macht. Danach jährlich Lizenzverlängerung ab etwa 13.000 AED und alle zwei Jahre der Visa-Zyklus. Dazu die neuen Pflichten: Corporate-Tax-Registrierung, Buchhaltung, Steuererklärung, für Qualifying Free Zone Persons der geprüfte Abschluss. Und das Leben selbst: Dubai gehört bei Miete und Alltag zu den teuersten Städten der Region. Wer mit 100.000 Euro Gewinn rechnet, gibt hier schnell zehn Prozent davon für die Infrastruktur des Steuersparens aus.

Die LLC, ehrlich gerechnet: Gründungskosten und laufende Kosten spielen eine Liga tiefer. Staatsgebühren in Wyoming oder New Mexico liegen bei zweistelligen bis niedrig dreistelligen Dollarbeträgen pro Jahr, dazu Registered Agent und die 5472-Compliance. Unsere Pakete mit allem Drum und Dran findest du transparent auf der Kostenseite, sie bleiben in Summe deutlich unter dem, was allein die Dubai-Visa-Runde kostet. Es gibt kein Pflicht-Audit, keine Umsatzschwellen mit Statusverlust, keine Präsenzpflicht in Cheyenne. Der strukturelle Unterschied: Die LLC kostet dich keinen Umzug. Sie funktioniert von Lissabon, Kuala Lumpur, Asunción oder aus dem Camper, solange dein Wohnsitzland mitspielt.

Banking: Vorteil USA, mit Ehrlichkeit

Beim Konto dreht sich das Klischee um. Die US LLC bekommt bei Fintechs wie Mercury oder Relay remote und in Tagen ein Konto, mit US-Dollar-Konten, virtuellen Karten und API. Die Dubai-Firma dagegen trifft auf Banken, die nach Substanz, Geschäftsplan und Mindestsaldo fragen: Kontoeröffnungen dauern dort regelmäßig Wochen bis Monate, gerade für frische Freezone-Firmen mit ausländischem Gesellschafter und "Consulting" in der Lizenz, und viele Banken erwarten fünf- bis sechsstellige Mindestguthaben in AED. Es funktioniert, Zehntausende machen es vor, aber es ist ein Prozess, kein Onboarding-Formular. Fair ist: Das Emirates-Konto gehört dann zu deinem Wohnsitz und deiner Emirates ID, das ist ein stabiles Gesamtpaket. Die LLC-Fintechs wiederum wollen ein real existierendes, plausibles Geschäft sehen, auch dort fliegen Briefkasten-Setups raus.

Die ehrliche Matrix

Dubai gewinnt, wenn du einen Aufenthaltstitel brauchst. Das ist der Punkt, den keine noch so schöne LLC-Rechnung wegdiskutiert: Die LLC gibt dir kein Visum, keinen Wohnsitz, kein Aufenthaltsrecht, nirgends. Sie ist eine Firma, kein Lebensmittelpunkt. Wer sein Steuerthema lösen will, indem er wirklich auswandert, und wer dafür ein Land sucht, das Unternehmern schnell und planbar einen Aufenthaltstitel gibt, bekommt in den Emiraten beides aus einer Hand: Firma plus Visum plus null Einkommensteuer auf Gehalt und Dividenden. Dubai gewinnt auch, wenn deine Kunden im Golf sitzen, wenn du lokal Personal, Lager oder Laden brauchst, oder wenn du aus Prinzip keine US-Struktur willst.

Die LLC gewinnt, wenn du das Wohnsitzthema schon gelöst hast oder anders lösen willst. Wer bereits in Paraguay, Panama, Malaysia oder einem anderen Land ohne Besteuerung von Auslandseinkommen lebt oder als Nomade unterwegs ist, braucht keinen zweiten Wohnsitz am Golf, sondern ein leichtes, billiges, sauberes Vehikel für Rechnungen, Zahlungen und Haftungsschutz. Genau das ist die LLC: ein Bruchteil der Kosten, keine Bilanzpflicht, kein Audit, kein Statusverlust-Damoklesschwert, Banking in Tagen. Und sie zwingt dich zu nichts: Du kannst heute in Georgien leben und nächstes Jahr in Uruguay, die Struktur zieht einfach mit.

Die Kombination schlägt oft beides, aber nicht als Steuertrick. Dubai-Wohnsitz plus US LLC ist ein beliebtes Setup, nur funktioniert es anders, als die Reels behaupten: Eine LLC, die du aus Dubai heraus führst, gilt dort über die Geschäftsleitung als ansässig und rutscht in die Corporate Tax, die Details haben wir im Dubai-Illusions-Artikel seziert. Die Kombination trägt als Werkzeugkasten (US-Banking, Dollar-Rechnungen, Haftungsschutz) auf dem Fundament der emiratischen Regeln, nicht an ihnen vorbei. Wen stattdessen die EU-Variante des Vergleichs interessiert, der findet die zyprische Limited im Schwesterartikel; die Detailtiefe zum Steuerrecht der Emirate liefert unser Steueratlas.

Und mit Wohnsitz in der Schweiz, in Deutschland, in Österreich?

Kurz und defensiv, weil diese Frage in jedem zweiten Erstgespräch auftaucht: Solange du deinen Wohnsitz in der Schweiz hast, ändert weder eine Freezone-Firma noch eine LLC irgendetwas an deiner Schweizer Steuerpflicht. Die Firma wird über die Geschäftsleitung an deinem Küchentisch in Zürich faktisch zur Schweizer Firma, ihr Gewinn zu Schweizer Substrat, und "Dubai steuerfrei als Schweizer" bleibt eine Schlagzeile ohne Rechtsgrundlage. Dasselbe gilt für Wohnsitze in Deutschland und Österreich, dort zusätzlich mit Außensteuerrecht und Wegzugsbesteuerung im Gepäck; Deutsche sollten außerdem § 2 AStG kennen, dessen Auslöser die niedrige Besteuerung im Zuzugsland ist, und die Emirate sind das Lehrbuchbeispiel eines solchen Landes. Beide Setups dieses Artikels sind Werkzeuge für nach dem Wegzug, nicht für den Küchentisch. Wie der Schweizer Wegzug sauber geht, übrigens der entspannteste Europas, steht im Schweizer Guide.

Dein nächster Schritt

Wenn dein Wohnsitzplan steht und die Matrix oben auf LLC zeigt: Bundesstaat wählen und gründen lassen, wir machen das seit 2008 in den USA. Wenn du zwischen Dubai, LLC oder der Kombination schwankst, oder dein Auswanderungsziel selbst noch offen ist, buche ein Beratungsgespräch mit Sebastian: eine Stunde, ehrliches Feedback zu deinem konkreten Fall, 15-Minuten-Garantie.

Beratung gefällig?

Nullsteuer.llc ist ein Serviceangebot der Kanzlei Mount Bonnell in Austin, Texas.

Gründer der Kanzlei Mount Bonnell, Austin, Texas. Hat Mandanten nach Dubai begleitet und wieder zurück, und empfiehlt die Stadt jedem, der sie mag, nur nicht als Steuertrick für 90 Tage im Jahr.

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Sebastian Sauerborn

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